Inish Turk



Inish Turk - Irlands naturgegebene Widrigkeiten werden hier zur alltäglichen Herausforderung. Eine Enklave im Atlantik, die keinen regulären Fährbetrieb unterhält. Bed&Breakfasts sind höchst familiäre Angelegenheiten, nicht überraschend bei einer Bevölkerungsdichte von kaum 80 Menschen. Nichtsdestoweniger hat man hier die Begrenztheit zur Tugend erkoren, sich geradezu das Label „einsame Insel“ als Markenzeichen erwählt. Humor, Zusammengehörigkeitsgefühl und eine enthusiastische Begrüßung für Besucher sind die Attribute von Inish Turk. Irisches soziales Kulturgut in ursprünglichster Form.


So ist ebenso ein Großteil der Natur tatsächlich unberührt. Man ist wohl nirgendwo sonst in Europa derartig alleine wie hier. Auf dem Marsch des vierten Tages erlebt man ungeahnte Phänomene. Man erklimmt große Höhen auf grünen und braunen Torfteppichen, die unvermittelt in felsig-raue Steilabgründe abfallen.


Der besondere Reiz Inish Turks liegt in seiner einzigartigen Küstenlandschaft. Viele Kilometer werden an diesem Tag abgelaufen, und alle unter dem Eindruck, man balanciere beständig auf einem kleinen Fleck Felsen hoch über dem saphirblauen Wasser, jeder Gipfel verbirgt seine eigene Schlucht. Es sind die Urgewalt, die Ungezügeltheit, die Erscheinungen wie die Klippen auf dieser Insel, die aus ihren menschlichen Bewunderern kleine Striche am Horizont werden lässt.


Inish Turk präsentiert sich monumental, ohne Zurückhaltung. Es bietet Gewaltiges auf: Felswände von dreistelligen Höhen, und das verstreut über die gesamte Länge der Küste. An sonnigen klaren Tagen erlebt man zudem ein üppiges Farbspiel in allen erdenklichen Nuancen von grün und blau. In Irland, so verkünden manche Reiseführer, zähle man über 40 Grüntöne. Hier kommen wohl noch 35 von blau bis grau hinzu.


Die Unterkünfte auf Turk sind höchst familiäre Angelegenheiten. Füsorgliche private Gastgeber sorgen für die Besucher von Inish Turk, an beiden der zwei Abende wird im trauten Gruppenverbund der Tourteilnehmer ein hausgemachtes Mahl eingenommen. Dabei werden keine Mühen gescheut und man kann nur Staunen über die organisatorische Geschicklichkeit angesichts der unübersehbaren Widrigkeit.


Zwei Nächte verbringt man hier, bevor am folgenden Tag die Fähre, vorbei an der majestätischen Kulisse der Twelve Bens (die zwölf Berge Connmearas), Richtung Clare Island ablegt.