INISH BOFIN

Inish Bofin – eine Insel der topographischen Gegensätze, eine Insel, auf der hinter der unschuldigsten Lieblichkeit der tiefste Abgrund lauert. So abwechslungsreich gestaltet sich auch die Tour an diesem Tag. Über lindgrünes Gras, das selbst im trüben Wetter Helligkeit ausstrahlt und wie ein Polster über die Felsenlandschaft gezogen ist, legt man den Weg bis zu einer monolithischen Steilklippe zurück, ein gigantischer Felsvorsprung, ein sogenannter „promontory“, der den Kelten als Festungsgrundlage diente. Heute zeugen nur noch Steinspuren von dem einstigen Martialbau.


Doch nicht nur an weit zurückliegende Schicksale wird erinnert – Inish Bofin war auch in jüngster Vergangenheit Schauplatz von Tragödien. Kreuze, Steine sind stumme, das tosende Meer ist lebendiger Zeuge der dramatischen Geschichte darüber, wie viele Leben die See verschlungen hat. Inish Bofin – Mahnmale erinnern an den Kampf zwischen Mensch und Natur, und die Natur erinnert dort auf jedem Meter an ihre Überlegenheit, was dem Besucher mit einem Blick nach Inish Shark nur allzu bewußt wird.


Wirklich klein und beeindruckt erniedrigt fühlt man sich allerdings erst, wenn man auf der kleinen grasbespannten Felsenbrücke steht, die über eine Schlucht führt. 30 m gähnen vor den Fußspitzen in die Tiefe, unten blaues Wasser, unergründlich tief doch mit einer deutlich auszumachenden Unterwasserflora. Diese Schlucht hat eine tiefe Schneise in das Land gegraben und an ihrem Ende ist sie betretbar. Durch einen Steinschlund blickt man auf das offene Meer. Eine einzigartige Perspektive.


Inish Bofin ist noch dazu der Hort der Mystik. Seerosenbewaldete Gewässer, auf denen Schwäne ihre Runden ziehen, geheime Nischen, in denen bizarre Blüten gedeihen. Fast hat man das Gefühl, uralte, irische Legenden bewahrheiten sich. Fast spürt man Elfen umherschwirren. Glaubt, Kobolde zu sehen. Man ist geneigt, die Legende für wahr zu erachten, das Inish Bofin duch einen Zauber entstanden ist: sie besagt, Fischer hätten Steine auf eine Hexe geworfen, die dadurch zunächst zu einer weißen Kuh (Inish Bofin = Insel der weißen Kuh) und danach zu einer schneeweißen Quarzsäule wurde. Noch heute finden sich überall glänzend weiße Quarzsteine.